
ff Lüneburg. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, spätestens innerhalb der nächsten zwei Stunden. August Menke, Professor an der Lateinschule, hat einst eine mittelprächtige Römertragödie geschrieben, mit der Antike kennt er sich schließlich aus: „Der Raub der Sabinerinnen". Und jetzt lässt er sich vom Direktor einer durchreisenden drittklassigen Schauspieltruppe überreden, das Drama aufführen zu lassen. Ach, hätte er doch seine Eitelkeit gezügelt. Von Katastrophen auf und neben der Schmierenbühne handelt „De Oleanderpapagei", im T.NT gespielt von der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister.
Das Theater des Provinzschauspielers Emanuel Striese ist in dem Stück gar nicht zu sehen. Der Schwank, 1884 von den österreichischen Brüdern Franz und Paul Schönthan geschrieben, spielt ausschließlich im Wohnzimmer der Familie Menke: Spitzendeckchen, Blümchentapete, Häkelüberwurf, ein Biedermeieridyll. Hier nimmt das Drama seinen Lauf. Denn die Professorengattin Frederike darf auf keinen Fall erfahren, dass ihr Herr Gemahl als Schmieren-Autor debütiert. „Wenn dat rutkommt...", der arme August mag gar nicht daran denken. Leider kehrt Frau Menke vorzeitig aus der Kur zurück. Und dann tauchen auch noch ungebetene Gäste auf, die ein richtig schönes, klassisches Spiel der Verwechslungen und Missverständnisse in Gang bringen.
Regisseurin Erika Döhmen hat den Spaß zu einem flotten Kammerspiel verdichtet, und die Darsteller liefern eine saubere Ensemble-Leistung ab, mit einigen Darstellern, die der Herr Lateinprofessor als „primi inter pares" bezeichnen würde. Da ist der — zugegeben, mit einer dankbaren Rolle ausgestattete — arme, aber aufrichtig die Kunst liebende Theaterdirektor Emanuel Striese, also Rolf Schreckenbach. Sein gnadenloser sächsischer Dialekt —„ei verbibbscht" - bildete einen wunderbaren Kontrast zum Plattdüütschen. Natürlich sammelte der dumme August (Klaus Dieter Bossow) Sympathiepunkte. Neben ihm behauptet sich die eher spröde, zickige und standesbewusste Frederike: Beate Meyer ist ihre lange Bühnenerfahrung in jeder Silbe, jeder Geste anzumerken.
Übrigens scheint wie Menke auch Striese, der eigentlich immer pleite ist, ein Pantoffelheld zu sein: Er unterwirft sich ehrfürchtig allen Regieanweisungen seiner Frau und feiert sogar ihre Idee, das Heer der Sabiner mit den Uniformen der örtlichen Feuerwehr auszurüsten. Das kann einfach nicht gut gehen. Und natürlich kommt dat rut. Franz von Schönthan hat übrigens selbst einmal den Emanuel Striese in der hochdeutschen Urfassung „Raub der Sabinerinnen" gespielt.
Gelächter und langen Applaus gab es bei der Premiere im ausverkauften T.NT für die Sülfmeister. Der galt, neben den Genannten, den Darstellern Georg Becker, Tanja Scheele, Christine Imort, Klara Schönfeld, Regina Stahn, Johannes Möddel und Anne Schoolmann. Der Spaß geht weiter am Freitag, 5. Februar, 20 Uhr, bis zum 7. März sind noch insgesamt 15 Vorstellungen geplant.
„De Oleanderpapagei"
Neues Platt-Stück der Lüneburger Sülfmeisterbühne
Von Astrid Wisser

Zwei Stunden Alltagsplatt zum Auffrischen der niederdeutschen Sprachkenntnisse, kontrastreich aufgelockert durch einen sächselnden Komödianten, unter Regie von Erika Döhmen im von Bühnenbildnerin Barbara Bloch geschaffenen Ambiente mit vom Kostümbildner-Duo Kay Horsinka/Frauke 0llmann passend kreierten Outfit, professionell und routiniert dargeboten durch das erfahrene Laien-Ensemble der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister:
Das ist auf den knappsten Nenner gebracht „De Oleanderpapagei“ das traditionelle Mundart-Stück, präsentiert an den beiden vergangenen und den noch folgenden vier Wochenenden auf der Studio-Bühne des Lüneburger Theaters.
Von Manfred Hinrichs-Bettinger stammt „De Oleanderpapagei“, die plattdeutsche Fassung des vor 125 Jahren erstmals aufgeführten Uralt-Schwanks „Der Raub der Sabinerinnen“, eine Gemeinschaftsarbeit der Österreichischen Schreiber-Brüder Franz und Paul von Schönthan. Im Mittelpunkt der simplen Handlung:
Theaterdirektor Striese (Rolf Schreckenbach), Professor Menke (Klaus Dieter Bossow), ein von ihm in jungen Jahren verfasstes und nun als „Jugendsünde“ empfundenes Theaterstück, dessen hinter dem Rücken seiner Familie (Beate Meyer, Christine Imort, Tanja Scheele, Georg Becker, Regina Stahn) geplante Aufführung und die sich dadurch findenden neuen Verwandten (Johannes Möddel, Anne Schoolmann),
Ein wenig mehr „Rotstift“ hätte „DE Oleanderpapagei“ gut vertragen – aber auch in seiner etwas zu langen Fassung bietet er allerlei Anlass zum Schmunzeln und Lachen.
Sehen sie selbst! Weitere Vorstellungen an allen Wochenenden bis 7. März jeweils freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 16 Uhr. Karten: Tel: (04131) 42100
Lünepost vom 10.02.10

"Buern, Avkat´n un annere Spinner" hieß das Programm, mit dem die niederdeutsche Bühne Sülfmeister jetzt das Publikum in der Dörpschün zum Lachen brachte.
Mit elf Episoden aus dem Land- und Stadtleben unterhielten jetzt
Mitglieder der niederdeutschen Bühne Sülfmeister aus Lüneburg
die Besucher in der Dörpschün.
Unter Motto „Buern, Avkat'n un annere Spinner" erfreuten sich die
Gäste an der plattdeutschen Sprache und den höchst amüsanten
Darbietungen. Da sorgte ein Papagei zum Vergnügen des Publikums für
Missverständnisse zwischen einem Ehepaar, ein Streit unter Nachbarn
garantierte Lacher und ein schwarzer BH sorgte als Corpus Delicti
für so manche Lachträne.
Auch zur Vorsicht beim Gang zum Arzt wurde gemahnt. Wenn eine
Frau ihren Angetrauten zum Arzt schleift, um ihn untersuchen zu
lassen, kann es leicht passieren, dass auf dem Rezept für den
Ehemann kein Medikament, sondern eine
verschreibungspflichtige
neue Ehefrau auftaucht.
Doch damit nicht genug. Im Stück „Der halbe Überfall" musste das
aufmerksam mitgehende Publikum erkennen, dass die Tatwaffe vom
Bankangestellten, der sich als Waffensammler zu erkennen gibt,
letztendlich genau zu dem vom potentiellen Bankräuber
geforderten Geldbetrag abgekauft wird.
Mit ihrem Programm und den teilnehmenden Laienschauspielern zeigte
die Bühne aber auch, dass sie intensive Nachwuchsarbeit betreibt.
Vor sieben Jahren wurde innerhalb des Vereins eine Kinder- und
Jugendgruppe etabliert, die aktiv am Theaterleben teilnimmt.
Mit kleinen Sketschen werden die Kinder und Jugendlichen behutsam
an die Bretter, die für so manchen Menschen die Welt bedeuten,
herangeführt.
Das jüngste Ensemblemitglied ist ein sechsjähriges Mädchen, das
auch in Salzhausens Dörpschün einen kleinen Einblick in sein
Können gab.
Dafür und für einen sehr vergnüglichen Abend bedankte sich das
Publikum beim Ensemble mit viel Applaus.
Winsener Anzeiger vom 29.09.10 von Alexander Bach
